Wissenschaft
Katalytische vs. Flammenverbrennung: Was ändert sich mit Wasserstoff?
Wer einen Gasbrenner auf Wasserstoff umstellt, löst das CO2-Problem — und verschärft ohne Gegenmaßnahmen das NOx-Problem. Diese Seite vergleicht beide Verbrennungsprinzipien anhand der in der Dissertation von Simon Hahn (FAU Erlangen-Nürnberg, 2025) belegten Daten, einschließlich der Fälle, in denen die Flamme oder eine ganz andere Technologie die bessere Wahl ist.
Warum erzeugen Wasserstoff-Flammen mehr NOx?
Thermisches NOx entsteht aus dem Stickstoff der Verbrennungsluft ab etwa 800 °C und nimmt ab 1.200 °C stark zu. Eine Wasserstoffflamme erreicht adiabat bis zu 2.120 °C — noch mehr als eine Erdgasflamme (bis 1.930 °C). Eine nahstöchiometrisch betriebene H2-Flamme überschreitet ohne Gegenmaßnahmen die NOx-Grenzwerte; üblich sind deshalb gestufte Verbrennung, hoher Luftüberschuss, kalte Abgasrückführung, Dampfeindüsung oder SCR-Nachbehandlung — alles Maßnahmen, die Wirkungsgrad kosten oder Komplexität hinzufügen. Die katalytische Verbrennung bleibt mit maximal rund 550 °C von vornherein unter der Bildungsschwelle: keine NOx-Bildung, keine Sekundärmaßnahmen.
Was bedeutet der Wechsel für die Sicherheit?
Wasserstoff hat einen Explosionsbereich von 3,9 bis 75,2 Vol.-% (bei 20 °C), eine rund fünffach höhere Flammengeschwindigkeit als Erdgas und eine unsichtbare Flamme — Flammenrückschlag und Überwachung werden zur zentralen Auslegungsfrage jedes H2-Brenners, der prinzipbedingt im Explosionsbereich arbeiten muss. Der katalytische Prozess kehrt die Logik um: Durch Rezirkulation des inerten Abgases liegt das Gemisch dauerhaft außerhalb des Explosionsbereichs („total inert"); selbst bei Lufteintritt oder Gasaustritt entsteht kein zündfähiges Gemisch, und die maximale Prozesstemperatur bleibt unter der Selbstentzündungstemperatur von Wasserstoff (560 °C).
Der direkte Vergleich
| Kriterium | H2-Flammenbrenner | Katalytische Verbrennung (rekuperativ) |
|---|---|---|
| Maximale Temperatur | bis 2.120 °C (adiabat) | ~550 °C |
| Thermisches NOx | entsteht ab ~800 °C; Grenzwerte nur mit Gegenmaßnahmen einhaltbar | thermodynamisch ausgeschlossen (Temperatur unter der Bildungsschwelle) |
| Explosionsschutz | Betrieb zwingend im Explosionsbereich; Rückschlag- und Überwachungstechnik nötig | Gemisch dauerhaft außerhalb des Explosionsbereichs (primärer Explosionsschutz) |
| Wirkungsgrad (LHV, Thermalöl 300 °C) | 89 % | 101 %, bis 115 % mit Abgaskondensation |
| Leistungsdichte | ~1,3 MW/m³ | 3,3–4,1 MW/m³ |
| Temperaturführung am Prozess | Flamme > 1.200 °C; kritische Filmtemperaturen erfordern hohe Umwälzung | Wandtemperatur max. 1 K über Prozessmedium; flaches Temperaturprofil |
| Teillastverhalten | Modulationsgrenzen, Flammenstabilität | Umsatz nahezu unabhängig von Temperatur und Volumenstrom |
| Brenngasqualität | zündfähiges Gemisch erforderlich | auch verunreinigter oder verdünnter Wasserstoff verwertbar |
Wo ist die katalytische Verbrennung nicht die beste Lösung?
Ein ehrlicher Vergleich braucht auch die Gegenrichtung. Für Prozesse oberhalb von rund 550 °C — Schmelzen, Brennen, Hochtemperatur-Öfen — liefert die Flamme die nötigen Temperaturen, die der katalytische Prozess prinzipbedingt nicht erreicht. Die niedrigere Gastemperatur bedeutet zudem kleinere Temperaturdifferenzen und damit größere Wärmeübertragungsflächen. Unterhalb von etwa 150–200 °C ist bei nutzbarer Abwärmequelle und hohen Volllaststunden eine Hochtemperatur-Wärmepumpe die effizienteste Option. Und der Katalysator bleibt ein Bauteil mit endlicher Lebensdauer sowie das Rezirkulationsgebläse ein zusätzlicher Verbraucher (rund 1 W elektrisch je kW thermisch und mbar Druckverlust) — beides wird durch Edelmetall-Recycling bzw. den Entfall von NOx-Sekundärmaßnahmen gedämpft, verschwindet aber nicht.
Das Zielband der Hyca-Heat-Systeme ist daher Prozesswärme von 100 bis 500 °C — Dampf, Thermalöl, Heißgas — mit dem zusätzlichen Vorteil des hybriden Strombetriebs im selben Apparat. Anwendungsbeispiele: Dampferzeugung in der Papierindustrie, Einbrennofen-Retrofit und Fernwärme-Spitzenlast.
Primärquelle
Hahn, Simon: „Sichere, emissionsfreie und effiziente Wärmebereitstellung mit Hilfe einer flammenlosen, katalytischen Wasserstoffverbrennung“. Dissertation (Dr.-Ing.), Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 2025. Open access: open.fau.de. Zugehöriges Patent: DE102023200245B3 „Verfahren und Vorrichtung zur Erzeugung von Wärme“ (S. Hahn, 2023).
